Seit Jahren bin ich mit der Hospizbewegung eng verbunden, sei es als anwaltlicher Berater im Vereins- und Arbeitsrecht, sei es als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender einer Hospiz gGmbH.
Jedes Mal, wenn ich Hospizvereine berate, wird mir bewusst, wie bedeutsam die Hospizbewegung für unsere Gesellschaft ist.
Cicely Saunders
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, formulierte die englische Ärztin Cicely Saunders. Sie gilt als Begründerin der modernen Hospizidee, die den letzten Weg als Teil unseres Lebens begreift. Kein anonymes Sterben im Krankenhaus oder in häuslicher Isolation, wenn es keine Familienangehörigen mehr gibt, sondern eine ganzheitliche Betreuung, zu der seelischer Beistand und die Gabe von schmerzlindernden Medikamenten gehört.
Die Ärztin, die zugleich auch Krankenschwester war, gründete 1967 bei London das erste stationäre Hospiz. Über ein Jahrhundert zuvor, 1842, hatte die Französin Jeanne Garnier in Lyon ein Haus für Sterbende geschaffen, das sie Calvaire („Leidensweg“) nannte. Auch in New York entstand ein Calvary Hospital, das mittellosen Menschen in ihren letzten Lebenstagen aufopfernd beistand.
Elisabeth Kübler-Ross
Der Umgang mit dem Tod und besonders mit Menschen, die ihn ganz nah vor Augen haben – dieses hochsensible und häufig verdrängte Thema katapultierte die Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross 1969 in die Öffentlichkeit. Ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ macht deutlich, dass die Menschen – so verschieden sie ihr Leben gelebt haben – alle sterblich sind. Und dass der Weg dorthin ein würdevoller sein muss, dafür tragen die engagierten, empathischen Menschen Sorge, die diesen Beistand gewähren.
Mittlerweile gibt es über 1000 ambulante Hospizdienste und 200 stationäre Hospize, das erste wurde 1986 in Aachen eröffnet.

St. Elisabeth-Hospiz in Marburg
Das St. Elisabeth-Hospiz in Marburg liegt im wunderschönen Park der Vitos-Klinik in der Cappeler Straße. Durch mein Aufsichtsratsmandat habe ich Einblick in die großartige Arbeit, die dort tagtäglich geleistet wird.

Übrigens geht der Begriff Hospiz auf das lateinische Hospitium zurück, was Gastfreundschaft bedeutet. Ab dem 6. Jahrhundert standen derartige Herbergen für Arme, Alte und Kranke offen und boten gleichfalls Pilgern und Reisenden Unterkunft.